FAQ

Immer wieder gestellte Fragen

Warum "Therapeutische Hypothermie" bei Herz-Kreislauf-Stillstand?
Grundsätzlich um das Gehirn zu schützen (Neuroprotektion). Von all unseren Zellen haben unsere Gehirnzellen die geringsten Chancen nach einem Kreislauf-Stillstand zu "überleben".
Mit der therapeutischen Hypothermie verlängern wir die Ischämietoleranz der Gehirnzellen (Herabsetzen der Stoffwechselvorgänge, Herabsetzen des Sauerstoffverbrauchs). Wir regulieren einfach die Nachfrage bei einem knappen Angebot nach unten. So entsteht kein Missverhältnis.
Des Weiteren führt die therapeutische Hypothermie auch zur Membranstabilisierung und Stabilisierung der Blut-Hirnschranke. Sie besitzt außerdem anti-inflammatorische Effekte (Neurotransmitter, freie Sauerstoffradikale) und senkt den Hirndruck.

Wann sollte mit der therapeutischen Hypothermie begonnen werden?
So früh als möglich - zur Zeit laufen Studien, in denen schon in der prähospital Phase oder sogar auch schon während der Reanimation mit der Kühlung begonnen wird.
Zum jetzigen Zeitpunkt muß man allerdings sagen, dass die sehr frühzeitige Kühlung einen positiven Effekt nur in tierexperimentellen Studien gezeigt hat - warten wir die Studienergebnisse ab!

Wie lange soll gekühlt werden?
Wir beziehen uns hier auf die Studiendesigns der HACA Studie und der Studie von Steven Bernard (Therap. Hypothermie nach Herz-Kreislauf-Stillstand) und die Empfehlung der ILCOR : Die Zieltemperatur bei der HACA Studie war 32 °C und wurde über 24 Std. gehalten, in der Studie von Steven Bernard war die Zieltemperatur 34 °C und wurde über 12 Std. gehalten. Die meisten deutschen und österreichischen Kliniken haben sich auf eine Zieltemperatur von 33 °C geeinigt und halten diese über 24 Std.

Spielt die Kühlgeschwindigkeit eine Rolle?
Wenn man vom "schnellen" Kühlen spricht, muß man unterscheiden zwischen dem frühen Beginn des Kühlens (s.o. "Wann sollte mit der therap. Hypothermie begonnen werden?") und der Zeit, die man braucht, um, vom Beginn des Kühlens an, die gewählte Zieltemperatur zu erreichen.
Hier gibt es sehr unterschiedliche Ergebnisse bei unterschiedlichen Methoden.
Grundsätzlich ist festzustellen, dass die intravaskulare Kühlung mit COOLGARD/THERMOGARD XP schneller und präziser eine gewählte Zieltemperatur erreicht, als Oberflächen-Kühlmethoden.
Wenn das schnelle Kühlen für Sie eine Rolle spielt, sind Sie vorsichtig, wenn man Ihnen erzählt, dass man mit bestimmten Kühlmethoden bis zu 4 °C / Std. herunterkühlen kann. - Das kann man - man sollte aber auch wissen, dass solche Ergebnisse mit sehr speziellen Patienten in einer sehr speziellen Umgebung erreicht worden sind (z.B. neurochirurgische, anästhesierte Patienten in einem kühlen Operationssaal. Wir wissen, dass solche Patienten, ohne Verwendung irgendeiner zusätzlichen Kühlmethode, schon von selbst eine Temperatursenkung von 2 °C / Std. erreichen!). Die Firma, die solche Behauptungen aufstellt, arbeitet unseriös. In der Studie, in der Patienten nach Herz-Kreislauf-Stillstand nach Reanimation mit der gleichen Methode behandelt wurden, hat das System dieser Firma nur eine Kühlrate von 0.96 °C/Std. erreicht und war somit noch langsamer, als die Kontrollgruppe, bei der Oberflächenkühlung zum Einsatz kam.
Innercool, Cardiac Arrest (.pdf) "Performance Characteristics and Safety of Surface Cooling with or without Endovascular Cooling"
Abschließend muß noch gesagt werden, dass es bisher keine kontrollierte Studie gibt, die nachweist, dass eine höhere Kühlrate mit einem besseren neurologischen Outcome einhergeht. - Auch dies ist noch offen.